Sicherheit

Es gibt im Leben nur eine Sicherheit: Wir werden eines Tages sterben! Tut mir Leid an einem Sonntagnachmittag schon so dramatisch zu sein, aber es ist wie es ist.

Für mich war die Erkenntnis, dass auch mein Leben endlich ist, überraschend und erschreckend zugleich. Gemessen an den 4,54 Milliarden Jahren der Erdgeschichte ist mein ganzes Dasein nur ein kleiner Funke, der genauso so schnell erlischt wie er entstanden ist.

Wenn der Tod die einzige Sicherheit in unserem Leben ist, warum leben es dann so verschwenderisch und ängstlich zugleich. Wir gehen mit unserem wertvollsten Gut (Zeit) so leichtfertig um als wäre es unerschöpflich. Auf der anderen Seite haben wir eine lähmende Angst davor das “Falsche” zu tun, zu scheitern, zurückgewiesen zu werden, alleine zu sein.

Aber unsere Endlichkeit ist auch eine Chance. Wenn wir akzeptieren, dass alles eines Tage vorbei ist, verlieren die meisten Ängste ihr Fundament.

Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird, zu leben.
Mark Aurel

Wir sterben sowieso, also warum leben wir nicht jetzt? Leben bedeutet für mich in die Welt hinauszugehen und das zu tun was mein Herz zum Leuchten bringt. Ohne Angst und Reue Risiken einzugehen, anders zu sein, aus der Masse hervorzustechen und auch zu scheitern.

Mit Abschluss von Schule oder Studium, nach unserer Eingliederung in die Gesellschaft und mit dem Erlöschen der letzten kindlichen Visionen führen die meisten von uns ein wenig erfüllendes Leben. In Deutschland sind gerade einmal 30% der Arbeitnehmer mit ihrem Job zufrieden. Die Anderen sehen die Arbeit als notwendiges Übel – dieses notwendige Übel nimmt 2/3 des gesamten Lebens ein.

Anstatt an den Ursachen der Unzufriedenheit zu arbeiten, werden nur die Symptome bekämpft.

…doing jobs that are a bore, earning the means to seek relief from the tedium by intervals of hectic and expensive pleasure. These intervals are supposed to be the real living, the real purpose served by the necessary evil of work.
The Wisdom of Insecurity von Alan Watts

Wir definieren das “richtige” Leben über aufregende Dinge und Erfahrungen. Alternativ könnten wir auch daran arbeiten ein aufregendes Leben führen. Dann ist das Bedürfnis an aufregenden Dingen und Erfahrungen geringer, die nur kurzfristig für Befriedigung sorgen. Ein aufregendes Leben zu führen ist doch wesentlich nachhaltiger.

Dafür braucht man oft den Mut die Sicherheit des bewährten Pfades zu verlassen. Bewährte Pfade sind eingetrampelt, erlauben wenig Freiraum für eigene Ideen, Wünsche und Träume – für die Möglichkeit der Selbstverwirklichung.

Damit will ich nicht sagen, dass jeder bewährte Pfad “schlecht” ist oder einschränkt. Wenn jemand aus dem Bedürfnis heraus anderen zu helfen Arzt werden will, dann muss und sollte er auch den bewährten Pfad gehen. Ich möchte ungern von einem Arzt operiert werden, der sein medizinisches Wissen nur auf YouTube angesammelt hat.

Durch die Erkenntnis, dass Sicherheit nur eine Illusion ist, habe ich keinen Grund mehr mein Leben nicht selbst in die Hand zu nehmen und es nach meine Vorstellungen zu formen, auch wenn gerade wenn es schwierig und anstrengend sein wird. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich die erstrebenswerten “Dinge” im Leben niemals ohne große Anstrengungen erreicht habe.

Und das ganze fasst niemand so schön zusammen wie Jack London:

I would rather be ashes than dust!
I would rather that my spark should burn out
in a brilliant blaze than it should be stifled by dry-rot.
I would rather be a superb meteor, every atom of me
in magnificent glow, than a sleepy and permanent planet.
The function of man is to live, not to exist.
I shall not waste my days trying to prolong them.
I shall use my time.
– Jack London

Die Anregung für diesen Artikel kam mir nach einem Telefonat mit Tobias letzte Woche. Vielen Dank dafür!

 

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One thought on “Sicherheit

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